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Tagebuch eines Skandals 2
abgelegt im Archiv Drama , Filmkritik , Spielfilme , Thriller von Marte Cormann am 25.02.07
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Es regnete mal wieder. Schon um 14.00 Uhr strömten gestern die Menschen ins Kino. Zu zweit oder mit ihren Kindern. Auch der Saal 1, in dem "Tagebuch eines Skandals" gespielt wurde, war gut besetzt. Bei den meisten Besuchern handelte es sich um Paare der Altersgruppe ab 25 Jahren aufwärts - mittendrin mein Mann und ich.

Ich gestehe, ich habe mich dem Film mit einer gehörigen Portion Skepsis genähert. Kann ein Film, der eine alte jungfer als Hauptfigur hat, wirklich spannend sein - die großartige Judie Dench in allen Ehren?

Ja, "Tagebuch eines Skandals"ist ein ausgesprochen spannender Film. In manchen Ankündigungen wird er der Kategorie Thriller zugeordnet. Das halte ich jedoch für falsch. Mit einem Thriller verbinde ich auch immer die Bedrohung von Leben. Diese ist allenfalls indirekt gegeben.

Das "Tagebuch eines Skandals" ist eine eindringliche Charakterstudie zweier sehr unterschiedlicher Frauentypen: einer alten Jungfer und einer versponnenen jungen Frau. Beide suchen ihr Glück auf unterschiedliche Weise. Die beiden Frauencharaktere stehen kompromisslos im Mittelpunkt der Geschichte. Daneben verblassen alle übrigen Filmfiguren. Das sexuelle Verhältnis zwischen Lehrerin und pubertierendem Schüler und die "Folgen" für den Schüler werden psychologisch nicht ausgeleuchtet, sind am Ende nicht einmal mehr eine Erwähnung wert.

"Tagebuch eines Skandals" konzentriert sich nicht auf das Naheliegende. Es ist vielmehr die Geschichte einer unheimlichen Inbesitznahme. Wie eine Schlange beobachtet die alte Jungfer Judie Dench ihr scheinbar harmloses Opfer Cate Blanchett, ohne ihr Interesse zu erkennen zu geben. Doch als sie die Gelegenheit für gekommen hält, schnappt sie unerbittlich zu.

Dench ist ein Opfer ihrer eigenen Einsamkeit. Doch es fällt schwer, Mitleid mit ihr zu empfinden. Sie ist gnadenlos Besitz ergreifend, duldet bei ihrer "Freundin" keine sozialen Bindungen außer der zu ihr.

"Tagebuch eines Skandals" ist gruselig. Weil Dench und Blanchett dermaßen eindringlich und gleichzeitig natürlich spielen, als wohnten sie bei uns im Nachbarhaus. Hüte dich vor der harmlosen Fassade - diese Botschaft kriecht unter die Haut.

Judie Dench und Cate Blanchett waren beide für den Oscar nominiert, sind aber leer ausgegangen. Ihre Leistung im Film wird dadurch nicht gemindert.

Tagebuch eines Skandals ist ein Film für Frauen und Männer, die Sinn für den subtilen Grusel haben. Sehr zu empfehlen!

Mehr zu Inhalt und Besetzung findet ihr hier.



Permalink: Tagebuch eines Skandals 2
Tags: Tagebuch  Skandal  Judie+Dench  Cate+Blanchett  England  Oscar 
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