Schmetterling und Taucherglocke
Wow, was für Bilder. Und was für ein passender Name. Bei Julian Schnabels in Cannes preisgekrönten Verfilmung des gleichnamigen autobiographischen Romans geht es um die Krankengeschichte des ehemaligen Chefredakteurs der Zeitschrift "Elle". Dieser hat nach einem Hirnschlag so ziemlich alles verlernt, vor allem das Leben. So schreibt der Spiegel:
Drei Viertel des Gehirns, Herzschlag, Gehör, ein Auge – viel mehr ist Jean-dominique Bauby (Mathieu Amalric) nach seinem Hirnschlag und zwei Monaten Koma nicht geblieben. Der 42-Jährige kann seinen Körper nicht mehr spüren, nur das linke Augenlid kontrolliert er noch. Das Schlucken und Verdauen haben die Apparate der Intensivmedizin übernommen.
Als sei das nicht schon Konfliktstoff genug, erfährt man, dass der Mann vor seiner Krankheit ein absoluter Bonvivant war und das Leben in vollen Zügen genoss. Aus dem Schmetterling wird nun ein Mensch, der wie in einer Taucherglocke lebt und sich nur noch durch seine Blicke, durch das Blinzeln seiner Augen definiert. Entsprechend wirkt dann auch der Film:
Die minimale Tiefenschärfe, die schlierigen Oberflächen – die Kamera soll Schnabels Brille im buchstäblichen Sinne vor der Linse getragen haben – die mühsamen Fokussierungen der Gesichter, die sich in extremer Nähe in Jean-Dos Gesichtsfeld schieben, die Lichtabfälle und Überstrahlungen an den Bildrändern, das "Ja"- Zwinkern und das "Nein"-Doppelblinzeln machen das Aufwachen, das Bewusstwerden des Erzähler-Ichs auch zur Sache des Publikums und des Kinos selbst.
Und da Bilder gerade in diesem Fall mehr als Worte sagen, gibt es anbei auch noch den Trailer.
Kinostart war am 27. März.
Comments
Leave a Reply
