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Filmkritik
, Spielfilme
, Thriller
von Marte Cormann am 25.01.07

Gemeinsam mit meinem Mann habe ich die Preview-Vorstellung des neuen Til-Schweiger-Films One Way besucht. Mit uns im Kinos saßen 4 junge Männer mit überdimensionalen Bierbechern in den Händen und drei weitere Paare. Mit anderen Worten, der Publikumsandrang war nicht gerade überwältigend.
Als mehr als 2 Stunden später dann der Abspann lief, herrschte immer noch gebannte Stille im Saal. Dann platzte mein Mann heraus: "Mensch, war der gut."
One Way ist intensiv in seiner Geschichte und in seinen Bildern. Die Farben sind bewusst modern und cool gehalten. Sie nehmen gefangen und man kann sich dem Sog nur schwer entziehen.
Das Thema des Film ist Vergewaltigung. Es geht um Schuld und Sühne. Um Recht, Moral und Gerechtigkeit.
In der WZ vom heutigen Tage las ich in einer Minikritik den Satz: "Manchmal ist es bereits der Auftakt eines Films, der erhebliche Zweifel aufkommen lässt. In One Way des Schweizers Reto Salimbini wird ein Mädchen von mehreren Männern verfolgt und brutal vergewaltigt, bis aus dem Nichts ein schwarzer Hüne in Uniform (Michael Clareke Duncan) auftaucht und die Übeltäter mit einem Maschinengewehr niedermäht. Von dieser Rache-Fantasie wechselt die Handlung in die Welt des New Yorker Werbeprofis Eddie (Til Schweiger)...
Jetzt frage ich mich doch ernsthaft: Was ist befremdlich daran, wenn sich das Opfer einer Vergewaltigung den Tod seines Peinigers vorstellt? Ist dies nicht sogar sehr verständlich? Die Visualisierung im Film macht die Fantasie für den Zuschauer sichtbar - und damit unbequem. Denn One Way nimmt konsequent die Position des Vergewaltigungsopfers ein. Auch diese Sichtweise ist nicht alltäglich.
In einer anderen Kritik stand, dass One Way die Vergewaltigungsszenen sehr drastisch zeigen würde. Entsprechend kritisch habe ich sie mir gestern angesehen. Mein Urteil: Ich habe schon grausamere Vergewaltigungsszenen in Film und Fernsehen gesehen. Was aber wirklich sehr anstrengend für den Zuschauer war: Während der Vergewaltigung bleibt die Kamera konsequent auf das Gesicht des Opfers gerichtet. Wir erleben den körperlichen Schmerz, die Wut, und die Demütigung der jungen Frau mit. Hautnah, beklemmend und beängstigend.
Die Bilder erlauben es uns nicht auszuweichen. Formeln wie "Im Grunde hat sie es doch auch gewollt" oder "So schlimm ist das doch auch nicht..." sind absolut fehl am Platz. Dem Opfer wird großer körperlicher und seelischer Schmerz zugefügt. Und das Schlimmste - am Ende kommt der Täter ohne Bestrafung davon. Das Opfer wird als Lügnerin dargestellt und erneut öffentlich gedemütigt.
Darf sich eine Frau rächen, wenn sie vergewaltigt, gedemütigt und "seelisch ermordet" wurde? Wenn sie weder auf ihren angeblich besten Freund noch auf die Justiz vertrauen kann?
In One Way erfahren zwei vergewaltigte und gedemütigte Frauen am Ende emotionale Gerechtigkeit und ein anfänglicher Kotzbrocken wird zu einem besseren Menschen. Das ist schon viel mehr, als das wirkliche Leben manchmal (leider) leisten kann.
One Way ist ein Film, der unter die Haut geht. Füllt die Kinosäle und seht ihn euch an. Es lohnt sich!
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Regie und Buch: Reto Salimbeni
Darsteller: Til Schweiger, Lauren Lee Smith, Sebastien Roberts, Michael Clarke Duncan, Eric Roberts, Stefanie von Pfetten, Art Hindle, Sonja Smits, Ned Bellamy, Daniel Kash
FSK: ab 16 -
Inhalt:
Der erfolgreiche New Yorker Werbeprofi Eddie Schneider hat sein Lebensziel fast erreicht: Er wird Partner in der Top-Agentur Birk und ist mit der Tochter des Inhabers verlobt. Doch dann wird eine Mitarbeiterin seines Teams von seinem zukünftigen Schwager Anthony vergewaltigt.
Anthony weiß von Eddies affäre mit einer Nachbarin und setzt ihn unter Druck. Eddie lässt sich erpressen und leistet für Anthony einen Meineid. Der wird freigesprochen, aber kurz darauf lassen die Birks Eddie fallen: Er verliert seinen Job und seine Verlobte. Wenig später wird Anthony ermordet. Alle Spuren führen zu Eddie: Er hat ein Motiv, aber kein Alibi. Doch er beteuert seine Unschuld ...
Til Schweiger spielt in "One Way" einen Aufsteiger, der am eigenen Leib die Arroganz der Macht und die Fragwürdigkeit des amerikanischen Traums erlebt. Als Produzent und Star erzählt Schweiger eine große, internationale Kinogeschichte, die bis zum Schluss infame Intrigen und verblüffende Wendungen bietet. Es geht um Freundschaft und Verrat, Recht und Unrecht, um die Grenzen der Verantwortung - und um die Konsequenzen, wenn man diese Grenzen überschreitet.
Text & Foto: Universal
Permalink: One Way
Tags:
Til+Schweiger
One+Way
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Dieser Eintrag wurde mit: 9.72 Punkten (von 60 Stimme(n) insg.) bewertet.
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Kommentar von:
Pia
(25.01.07 18:06 Uhr)
Bin absolut deiner Meinung, der Film ist Wahnsinn!!! Habe ihn gerade gesehen und würd ihn doch glatt nochmal sehen. Lauren Lee Smith war so unglaublich gut...bei der Vergewaltigungszene konnte ich kaum die Augen aufhalten, da ihr Gesicht all die schrecklichen Emotionen rübergebracht haben! Auch die anderen haben toll gespielt und die Kritik an der Sache mit dem General kann ich ebenfalls nicht verstehen...sie wurde als "unglaubwürdig" abgestempelt, dabei ist sie für mich einfach nur verständlich. Könnte noch Stunden so weiterschreiben, aber macht euch lieber selbst ein Bild und seht ihn euch an, es lohnt sich auf alle Fälle!
Kommentar von:
Ursula
(27.01.07 15:09 Uhr)
Ich schließe mich dem Kommentar von Pia an. Der Film lies mich eine Nacht lang nicht schlafen. Und den "General" mußte mir auch keiner erklären, für mich war völlig klar woher er kam. Ich war geplättet das der Film so gut war und die Schauspieler so intensiv und real.
Diesen Film werde ich mit Sicherheit meinen Freunden ans Herz legen.
Diesen Film werde ich mit Sicherheit meinen Freunden ans Herz legen.
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