Mein Führer
Gesehen und besprochen:
Gerade sprachen sie wieder im Frühstücksradio darüber: Darf man in Deutschland eine Komödie über adolf Hitler schreiben, drehen und sogar in den Kinos aufführen? Das Thema erregt seit Wochen die Gemüter – und dies ist vom Grundsatz her gut so. Die Schrecken und die Gräueltaten des NS-Regimes und seiner Schergen dürfen als Warnung vor möglichen Wiederholungen niemals in Vergessenheit geraten.
Filme wie "Der Untergang" und "Schindlers Liste" arbeiten die damalige Zeit dramatisch auf. Der Regisseur Dani Levy hat es nun gewagt, sich dem Thema komödiantisch zu nähern.
Eine Woche vor dem offiziellen Filmstart zeigte Cinestar ein Preview von "Mein Führer" mit Helge Schneider in der Hauptrolle des Adolf Hitler. Helge Schneider? Der Interpret des "Katzenklos"?
Ich gestehe hiermit öffentlich, dass ich absolut kein Fan des Künstlers bin. Eher im Gegenteil. Aber soviel vorweg: In der Rolle des Adolf Hitler ist er kaum wiederzuerkennen, was nicht nur an seiner Maske liegt. Er spielt seine Rolle angenehm zurückgenommen, fast lässig. Er nimmt sie ernst, ohne in Übertreibung oder gar in Klamauk zu verfallen.
Dieses Kompliment gilt auch für die anderen Schauspieler. Keiner begeht den Fehler, gewollt "lustig" sein zu wollen und zu übertreiben. Für mich gibt es nichts Schlimmeres als Schauspieler, die eine Komödie nicht ernst nehmen.
Zum Inhalt:: Ich zitiere die Inhaltsangabe der Firma X-Verleih AG
Dezember 1944: Der totale Krieg ist so gut wie total verloren. Doch so leicht will Goebbels sich nicht geschlagen geben. Am Neujahrstag soll der Führer mit einer kämpferischen Rede noch einmal die Massen begeistern. Das Ganze hat nur einen Haken: Der Führer kann nicht. Krank und depressiv meidet er die Ã-ffentlichkeit. Nur einer kann jetzt noch helfen: sein ehemaliger Schauspiellehrer Adolf Grünbaum, ein Jude. Goebbels lässt ihn samt seiner Familie aus dem KZ Sachsenhausen in die Reichskanzlei holen. Die Zeit läuft, in nur fünf Tagen muss der Führer in Höchstform sein…
Die Schauspieler: Helge Schneider, Ulrich Mühe, Sylvester Groth, Adriana Altaras, Ulrich Noethen, Stefan Kurt, Lambert Hamel, Katja Riemann, Marion Kracht u.a.
Drehbuch und Regie: Dani Levy
Mit einigen Tagen Abstand kann ich sagen: Es war ein spannender Kinoabend. Im Saal, der etwa zu zwei Drittel gefüllt war, wurde wiederholt lebhaft gekichert – meistens von Frauen. Einige Male wurde auch herzhaft laut und vielstimmig gelacht.
Es gibt Szenen, die mir nicht aus dem Kopf gehen, zum Beispiel wie Hitler im Bett auf der Besucherritze zwischen dem jüdischen Ehepaar liegt, weil er friert und nicht einschlafen kann. Dank der Kameraeinstellung wirkt er irgendwie monströs und trotzdem wie ein kleines Kind. Angewiesen auf das Mitleid derjenigen, die er selbst zum Tode verurteilt hat. Genial auch die letzte große Rede Hitlers …
Ich habe Kritiken gelesen, in denen bemängelt wird, dass der Film nicht böse genug ist. Nun, über Humor lässt sich bekanntlich trefflich streiten. Wer laute Schenkelklopfer und Katzenklo-Sprüche sucht, der wird mit Sicherheit von dem Film enttäuscht sein. Wer Ironie und Sarkasmus mit einem Schuss von Melancholie mag, der wird eher auf seine Kosten kommen. Für mich hat Dany Levy eine jiddische Komödie inszeniert. Es darf geschmunzelt und gelacht werden. Doch manchmal bleibt uns vor Entsetzen das Lachen im Hals stecken.
Mehr Informationen zum Film finden Sie auf der offiziellen Website Mein Führer. Dort gibt es übrigens auch eine Besonderheit zu entdecken: ein Schulheft zum Download für die Arbeit mit Schulklassen. Lesenswert ist mit Sicherheit das Vorwort des Regisseurs. Ausführlich nimmt er zu der Frage Stellung: "Darf man in Deutschland eine Komödie über Hitler drehen?"
Meine persönliche Antwort lautet: "Ja, man darf." Denn manchmal enthält eine Komödie mehr Widerhaken, die sich unter der Haut festsetzen und uns beschäftigen, als ihr Kollege, das große Drama.
Wagen Sie einen Versuch und urteilen Sie selbst!
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2 Responses to “Mein Führer”
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Dani Levy ist ein wirklich guter Film gelungen. Ich hatte Gelegenheit, mich in der Preview davon zu überzeugen. Noch bevor so mancher prominente Kritiker den Film überhaupt kannte. Wie kommen diese Menschen dazu, über den Film zu urteilen, den noch gar nicht gesehen haben.
Nun, nach einer Woche in den Kinos sind die Stimmen verstummt, die ihn runtergemacht haben. Auch die Zahlen sprechen für den Erfolg: Platz 2 in den Kinocharts.
Marte Cormann wünsche ich viel Erfolg beim bloggen.
Dani Levy ist ein wirklich guter Film gelungen. Ich hatte Gelegenheit, mich in der Preview davon zu überzeugen. Noch bevor so mancher prominente Kritiker den Film überhaupt kannte. Wie kommen diese Menschen dazu, über den Film zu urteilen, den sie noch gar nicht gesehen haben.
Nun, nach einer Woche in den Kinos sind die Stimmen verstummt, die ihn runtergemacht haben. Auch die Zahlen sprechen für den Erfolg: Platz 2 in den Kinocharts.
Marte Cormann wünsche ich viel Erfolg beim bloggen.