Havanna, die neue Kunst, Ruinen zu bauen

März 26, 2007 · Posted in Dokumentarfilm 
Havanna, die neue Kunst, Ruinen zu bauen

Foto: Homepage zum Film

Selten schaffen es Dokumentarfilme bis ins Kino. Am 29. März 2007 ist Kinostart des Films Havanna, die neue Kunst, Ruinen zu bauen.

In Kuba wurde der Film zwar verboten, doch auch dort kursieren DVD-Kopien. Sehr schön nachzulesen im Interview, das Florian Borchmeyer und sein Produzent Matthias Hentschler dem br-online-Kulturmagazin gegeben haben. In Deutschland wurde der Film bereits mit dem Bayrischen Filmpreis 2006 ausgezeichnet. Für den deutschen Filmpreis wurde er nominiert.

"Perle der Karibik" wird Havanna, die Hauptstadt der revolutionären Republik Kuba genannt. Weniger bekannt sind die Ruinen, die Havannas Gesicht prägen. Hauseinstürze mit Toten stehen auf der Tagesordnung. Für die Bewohner ist der Verfall der Stadt und ihrer Wohnhäuser eine ständige Quelle des Schmerzes und der Schuldgefühle.

Der Dokumentarfilm porträtiert fünf Personen aus Havanna, die in Gebäuden in verschiedenen Stadien des Einsturzes wohnen. Sie alle versuchen, aus einer Existenz zu fliehen, die durch das Wohnen in einer Ruine selbst zur Ruine zu werden droht. Klempner Totico flüchtet sich aus dem lärmenden Inferno seiner Mietskaserne im Zentrum Havannas zu den Tauben auf der Dachterrasse. Der Obdachlose Reinaldo hat in den Trümmern eines Theaters Unterschlupf gefunden, in dem einstmals caruso vor der High Society sang. Die frühere Millionärsgattin Misleidys läßt den goldenen Käfig ihrer Ehe hinter sich, um im Schutthaufen eines ehemaligen Luxushotels vergangenen Zeiten nachzuträumen. Der enteignete Großgrundbesitzer Nicanor kämpft gegen den Verfall seines Vaterhauses, um zumindest im Kleinen so zu leben, als habe die sozialistische Revolution nicht stattgefunden. Schriftsteller
Ponte baut sich eine Philosophie der Ruine und macht sich so den allmählichen Einsturz der Stadt und des politischen Systems erklärbar und ertragbar.

HAVANNA – DIE NEUE KUNST, RUINEN ZU BAUEN erzählt die Geschichten von Menschen, die jeden Tag darauf warten, dass ihnen das Dach über dem Kopf zusammenstürzt und dennoch nicht ausziehen wollen.

Das ZDF-Kulturmagazin Aspekte urteilte: " Die kubanische Hauptstadt ist eine bröckelnde Schönheit. Dort hört man das nicht gern. Schon gar nicht zum 50.Jahrestag der Revolution und den Geburtstagfeiern für den schwer kranken Fidel Castro. Die Staatsführung verbot den stimmungsvollen Doku-Streifen HAVANNA – DIE NEUE KUNST, RUINEN ZU BAUEN."

Wer in seiner Nähe kein Programmkino hat, dass den Film zeigt, dem bleibt immer noch die Hoffnung, dass er eines Tages im Fernsehen ausgestrahlt wird.


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