Die Hollywood-Verschwörung
abgelegt im Archiv Drama , Filmkritik , Spielfilme am 12.02.07
Gesehen und besprochen:
Verfolgt man derzeit die Medienberichte, könnte man annehmen, dass nur in Berlin Filme gezeigt werden. Doch zum Glück haben auch im Rest der Republik die Kinos derzeit Allerlei zu bieten.
Das Cinestar in Düsseldorf startete am gestrigen Sonntag eine neue Reihe: die CineLounge. Im Eintrittspreis von 9,50 Euro ist ein Menü zur Wahl enthalten. Wir entschieden uns für die süße Variante mit schwedischer Mandeltorte und einem Kaffeegetränk. Beides zusammen bildete den willkommenen Auftakt für die Vorpremiere der "Hollywood-Verschwörung."

Zunächst die technischen Daten:
Deutscher Filmstart: 15. Februar 2007
Darsteller: Adrien Brody (Louis Moglio), Ben Affleck (George Reeves), Diane Lane (Toni Mannix), Kathleen Robertson (Carol Van Ronkel), Robin Tunney (Leonore Lemmon), Steve adams (Robert Maxwell), Jordan Barker (Wag), Larry Cedar (Chester Sinclair), Brad Henke (Russell), Bob Hoskins (Eddie Mannix), Michael Janik (Polizist), David J. MacNeil (Officer Korby), Lois Smith (Helen Bessolo), Joe Spano (Howard Strickling), Jeff Teravainen (Lester Koenig)
Regie: Allen Coulter
Drehbuch: Paul Bernbaum, Howard Korder
Inhalt
In den späten 40er Jahren versucht der Schauspieler George Reeves (Ben Affleck) in Hollywood Fuß zu fassen. Obwohl er es hasst, nimmt er die Hauptrolle in der TV-Serie "Supermann" an. Seine Geliebte Toni Mannix, (Diane Lane), die Frau des einflussrecihen Filmoguls Eddie Mannix, hat ihm zu dieser Rolle verholfen. Eddie Mannix werden Verbindungen zur Mafia nachgesagt. Nach einiger Zeit wird "Superman" zum Hit und Reeves zum Star.
Am 16. Juni 1959 wird der Schauspieler erschossen in seinem Haus aufgefunden. Obwohl die Polizei an einen Selbstmord glaubt und den Fall abschließt, engagiert seine Mutter den Privatdetektiv Louis Moglio. Dieser findet heraus, dass Reeves eine Affäre mit der Frau des Studiobosses Eddie Mannix hatte und gerät nun selbst in die Schusslinie.
Der Film beruht auf einer wahren Geschichte. Die genauen Umstände des Todes von George Reeves wurden nie geklärt.
Für die Darstellung des George Reeves wurde Ben Affleck bei den Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet und für den Golden Globe nominiert.
Tja, und mit welchem Eindruck verließ ich das Kino?
Das Positive vorweg: Der Film ist grandios in Szene gesetzt. Wunderschöne Bilder in der nostalgische Farbstimmung der vierziger und fünfziger Jahre.
Die Schauspieler beeindrucken durch ihre intensive Darstellung.
Ben Affleck hat ein paar Pfunde zu viel auf den Rippen. Angeblich hat er sich die Kilos gezielt für diesen Film angefuttert. Sein Spiel ist minimalistisch. Charmant, mit einem Hauch von Wehmut. Als George Reeve möchte er "gute" Rollen und muss dann doch in den hauchengen Strampelanzug schlüpfen. In den ersten Jahren ist das Trikot schlicht Grau mit dunklem Aufdruck - die Sendung wird in Schwarz-Weiss gedreht. Da lohnt sich das teuere blaue Trikot nicht. Bei den Flugszenen reisst das Seil, das Reeves zieht und Reeves/Affleck landet platt auf der Nase. Komisch und tragisch zugleich. "Zu mehr als Superman bist du nicht fähig. Alle wissen es, nur du nicht", schleudert ihm seine Geliebte irgendwann entgegen. Man sieht Reeves/Affleck ins Gesicht - und glaubt es plötzlich auch.
Adrien Brody gibt einen wunderbar lässig-verknautschten Detektiv ab. Ein bisschen frech, ein bisschen ängstlich, immer ein wenig neben der Spur.
Diane Lane - sie scheint während des Films tatsächlich zu altern. "Mein Hintern hält höchstens noch 8 Jahre der Schwerkraft stand", sagt sie zu Beginn. Am Ende des Films ist sie eine gebrochene Frau.
Gewöhnungsbedürftig ist die Dramaturgie. Gegenwart und Rückblenden wechseln sich ab. Als Zuschauer benötigt man ein paar Minuten, um folgen zu können. Und dann setzen die Schwierigkeiten und die Fragen ein.
Merkwürdigerweise ist Brody als Detektiv stets auf demselben Wissenstand wie wir Zuschauer - ohne dass wir erfahren, wie ihm dieses Wissen vermittelt wird. Das macht stutzig und stört.
Und dann gibt es im letzten Drittel des Films ein paar Minuten, in denen man nervös auf die Uhr sieht. "Hat der Film etwa Überlänge?" Ein Gefühl von Überdruss stellt sich ein.
Und am Ende des Films gesellt sich Ratlosigkeit hinzu. Die Todesumstände von Reeves werden wie im wahren Leben nicht aufgeklärt. Das Schicksal dieses Mannes könnte unsere Herzen berühren. Doch es geht spurlos an uns vorbei. Am Schluss umweht uns ein Hauch von Tragik, mehr nicht. Auch er wird bald verfliegen.
Je länger ich darüber nachdenke, deto mehr verstärkt sich in mir der Eindruck, dass Regisseur Allen Coulter sich zu viel vorgenommen hat. Offensichtlich lagen ihm weniger die Einzelschicksale des Supermanns Reeves oder des Privatdetektivs am Herzen. Sein Augenmerk galt dem mystisch-mysteriösen Hollywood der 40/50-er Jahre.
Doch Mythen berühren nur dann unsere Herzen, wenn sie am Beispiel von Einzelfiguren mitfühlbar werden.
In der Hollywood-Verschwörung ist dies leider nur unzureichend gelungen.
Meine persönliche Prognose lautet: Lange wird sich der Film nicht in den Kinos halten.
Permalink: Die Hollywood-Verschwörung
Tags: Hollywood Verschwörung Ben+Affleck Adrien+Brody Diane+Lane
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Wong
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