Das Leben der Anderen

Gesehen und besprochen:
Der Film "Das Leben der Anderen" wurde mit dem Oscar 2007 für den besten nicht-englischen Film ausgezeichnet. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!
Als hätte ich den Erfolg vorausgeahnt, habe ich mir den Film gestern noch einmal auf DVD angesehen. Zunächst der Inhalt, dann meine Kritik.
Inhalt:
Ost-Berlin, November 1984. Der erfahrene Stasi-Hauptmann Wiesler ist für seine guten Ermittlungsergebnisse bekannt. Er erhält den Auftrag, den erfolgreichen Schriftsteller Georg Dreymann und dessen Lebensgefährtin, die bekannte Theaterschauspielerin Christa-Maria Sieland auszuspionieren. Unerwartet stürzt dieser Auftrag Wieseler in einen moralischen Konflikt. Vom Dachboden des Hauses aus, in dem Dreymann wohnt, lebt Wieseler als unsichtbarer Dritter das Leben der beiden Künstler mit. Er entwickelt Sympathien für das Paar. Ganz allmählich beginnt er, das Paar vor seinen eigenen Leuten zu beschützen. Doch die Mechanismen des Systems nicht mehr zu stoppen: Wieslers Existenz wird dabei ebenso zerstört wie die Beziehung zwischen Dreymann und Sieland. Als im Jahr 1989 die Mauer fällt, beginnt ein anderes Leben.
Buch und Regie: Florian Henckel von Donnersmarck
Darsteller:
Martina Gedeck (Christa-Maria Sieland), Ulrich Mühe (Hauptmann Gerd Wiesler) , Sebastian Koch (Georg Dreymann), Ulrich Tukur (Oberstleutnant Anton Grubitz) u.a.
Meine Meinung zum Film:
Das Leben der Anderen ist einer der ersten Filme, wenn nicht sogar der erste, der sich ernsthaft mit dem Thema Stasi/DDR auseinandersetzt. Dies allein verhilft ihm bereits zu einer enormen öffentlichen Beachtung. Wäre die Beachtung ebenso groß ausgefallen, wenn der Film bereits zehn thematische Vorgänger gehabt hätte? Die Antwort auf diese Frage können wir uns letztlich ersparen. Es ist so wie es ist.
Florian Henckel von Donnersmarck erzählt eine dichte Geschichte, die sich schnörkellos und eindringlich entwickelt. Die Hauptcharaktere entwickeln sich geradezu klassisch. Stasi-Hauptmann Wieseler wird vom "Saulus zum Paulus". Der bespitzelte Autor Dreymann mutiert vom angepassten Künstler zum Regimekritiker. Die Schauspielerin Christa-Maria Sieland erleidet die tragischste Schicksalskurve. Der gefeierte Bühnenstar wird zum Regime-Opfer.
Großartig die schauspielerischen Leistungen von Ulrich Mühe, der seinen Stasi-Hauptmann mit "versteinerter" Mimik spielt. Er lächelt nie, höchstens mit den Augen. In manchen Sequenzen wirkt er wie ein gefühlloser Roboter.
Großartig auch die Leistung von Martina Gedeck, die ihren Part äußerst eindringlich meistert. Während der Stasi-Hauptmann roboterähnlich durch die Geschichte wandelt und Sebastian Koch als Dreymann geradezu naiv sorglos Agieren muss, ist Gedeck die Einzige, die Gefühle äußert und bis zu ihrem tragischen Ende glaubhaft macht.
Wer sich den Film (noch einmal) ansehen möchte, sollte unbedingt ausgeschlafen und im Vollbesitz seiner körperlichen und geistigen Kräfte sein. Ich habe ihn mir am Ende eines ausgefüllten Tages angesehen, was nicht unproblematisch war. Denn "Das Leben der Anderen" ist zu Beginn sehr ruhig inszeniert. So ruhig, dass ich eine halbe Stunde vor Ende nahe daran war, vorzeitig ins Bett zu gehen, weil ich müder und müder wurde und kaum noch aufhören konnte zu gähnen.
Gerettet hat mich das letzte Filmdrittel. Die Sieland wird von der Stasi verhaftet und mit Berufsverbot bedroht. Von da an gewinnt die Handlung an Fahrt und Dramatik. Das Ende war ergreifend und berührend.
Ob ich den Film weiterempfehle? Ja. Weil er mit einem Oscar, der denkbar höchsten Auszeichnung, gewürdigt worden ist. Und weil er ein Stück deutscher Geschichte behandelt, das unsere Gesellschaft bis heute prägt.
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